Luxemburger Blogs
Ich verweigere normalerweise zuzugeben, dass ich Luxemburger bin. Die die denken, mein Akzent wäre Rheinländer, dürfen das ruhig glauben.
Trotzdem bin ich durch die Luxemburger Blogosphäre (ja, sowas gibt’s) geschlendert und auf die Blogbuerg gestoßen, so wie Technorati im Zwergenformat.
Dabei gibt es richtig tolle Blogs in Luxemburg. Und sogar einige sehr literarische Werke.
Bei Thierry gibt es wunderschöne Posts, ein aktuelles Beispiel hier. Da sind Sachen dabei, die so nah am Gefühl sind, dass sie wehtun.
In Thierrys Blog wird auch oft von Joël kommentiert. Auch wenn er leicht über-links in seinem Blog rüberkommt ist er ein begnadeter Schreiber. “Als die Ampel unten am Platz, wo sie, rot wie Blut, zu warten stand, auf grün schaltete, breitete er seine Arme aus und schrie: »Warum hast du mich verlassen?«”. Der ganze Beitrag hier.
Bei “Grommel” hingegen gibt es weniger Literatur, dafür aber leichteren Content und politisch Interessante Posts. Besonders seine Kommentare zum Unsinn, den man Religion nennt sind absolut zu empfehlen.
Es gibt allerdings auch Negativbeispiele: Bei OMG.lu knallen pubertierende Kids youtube videos auf den Blog und finden’s toll. Nicht viel anders hält es Cookie Monster der, ausser irgendwelche Videos und polemisch-populistische Stammtischphrasen wetzen nicht viel bringt. Nicht mal sein sogenanntes Livebloggin über das brillante neue Radiohead-Album ist lesenswert. Der Kerl hat kein Gefühl für Sprache, ebensowenig wie dieser Pianocktail, der abgesehen von Schachtelsätzen und ständigen “lustigen” Kommentaren zu dem was er soeben geschrieben hat nicht viel produziert. Der Inhalt dieser Seiten ist gelinde gesagt überschaubar, uninteressant, pubertär.
A propos Inhalt, diesen vermisse ich auf oft verlinkten Seiten wie Benem, Noodle kicks ass und egalwaat.lu, das sogar einen pa’s weblog genannten kleinen Bruder besitzt, der die gleichen Themen behandelt wie sein Vorbild. Diese Blogs muss nun wirklich keiner besuchen, daher werde ich sie auch nicht verlinken.
Sich abregen tut gut.
Thierry said,
November 8, 2007 at 12:44 am
Vielen Dank für die Erwähnung / den Link und das tolle Lob!
Ich muss meine werten Bloggerkollegen allerdings verteidigen. Zu OMG.lu sage ich nichts, darüber habe ich mich selbst bereits zur Genüge ausgelassen. Dass Thorben bloß Videos und polemisch-populistische Phrasen unter die Blogger wirft finde ich etwas übertrieben. Da gibt es auch sehr interessante Artikel, wie den über Genetik (witzige Fakten, die zumindest mir bis dahin unbekannt waren). Dass er kein Gefühl für Sprache hat finde ich harsch, die mittlerweile nicht mehr existiernde party.lu Seite war da weitaus schlimmer. Ausserdem hatte Thorben bis vor kurzem die Nationalität, hinter der du dich “versteckst” und bloggt also in einer Fremdsprache, die man hierzulande ja noch nicht mal in der Schule lernt.
Man mag ihm eventuelle luxemburgische Sprachfehler (die ich persönlich nicht auffällig finde) also verzeihen.
Dass ich jetzt Pianocktail verteidige obwohl der Autor desselben und ich uns ständig uneins sind, spricht wohl für dieses Blog. Es gibt sehr viele interessante Filmkritiken auf Pianocktail, und seine aktuelle Liste der 250 besten Lieder ist auch sehr ausführlich geschrieben, gibt es doch zu jedem Lied einen kurzen Text der erklärt warum genau dieses Lied es in die Liste geschafft hat.
Bei Benem gibt es eine Menge Inhalt, unter anderem eine sehr ausführliche Analyse der deutschen Bundesliga. Mich persönlich könnte Fussball nicht weniger interessieren, aber ihm deswegen fehlenden Inhalt vorzuwerfen finde ich ist eine Falschdarstellung. Bei no0dle kicks ass läuft seit einigen Wochen tatsächlich nichts mehr (eine Erklärung dafür gibt es allerdings in eben jenem Blog), doch gab es zum Beispiel dort einige relativ interessante Diskussion über den Service bei einem luxemburgischen Mobilfunkanbieter. Es ist verständlich, dass das einen Deutschen (oder Wahldeutschen) nicht sonderlich interessiert, nur deswegen ist es noch lange nicht schlecht.
Warum egalwaat aus zwei Blogs besteht, habe ich selbst nie wirklich verstanden. Ich lese beide Blogs aber gerne, vor allem da sie mich hier weit weg vom europäischen Kontinent mit Details aus Luxemburg auf dem Laufenden halten, von denen ich sonst nie erfahren würde. Ja, sehr viele dieser Details sind belanglos, und wenn man sich weigert mit seinem Heimatland in Verbindung gebracht zu werden findet man das Blog wohl überflüssig, aber als Nicht-mehr-Luxemburger gehörst du auch gar nicht zur Zielgruppe des Blogs. Ich freue mich jedenfalls, dass es egalwaat gibt.
Kurzum, ich kann verstehen, dass die Blogs dich nicht interessieren. Aber zwischen fehlendem Interesse und fehlendem Inhalt liegt ein Unterschied, den man nicht ignorieren sollte. Letzendlich sei gesagt, dass die luxemburgische Blogosphäre mit Stolz und Spaß bloggt. Wir sind eine kleine Gemeinschaft, die trotz einigen Auseinandersetzungen doch stets zusammenhält und sich gegenseitig mit Links unterstützt (um zu erklären, warum überall auf Benem usw. verlinkt wird). Wir haben es ohne jegliche Hilfe bereits in die nationale Presse geschafft hat, sowie mit ein wenig Hilfe sogar in die internationale. Wir schreiben über unsere kleine Welt. Das mag nicht viel sein, und aus deutscher Sicht mit ihrer gigantischen Blogosphäre mögen wir erscheinen wie ein kleines Kind das nach Aufmerksamkeit schreit, aber es ist genug. Denn wir haben Freude am Bloggen. Nein, ein deutscher Leser würde auf Benem, egalwaat usw. nicht glücklich werden. Soll er aber auch nicht, denn die Blogs werden gar nicht für ihn geschrieben.
Übrigens, wenn du noch ein paar weitere literarische luxemburgische Blogs besuchen magst, Mind Vault und comes the dawn in athens sind, wie ich finde, sehr empfehlenswert. Auch für Nicht-(mehr)-Luxemburger.
Fireball said,
November 8, 2007 at 6:27 am
Wow, danke für das Kompliment und den Link. Mein “Einstieg” in den luxemburgischen Blogklumpen war übrigens ein ähnlicher Beitrag wie deiner hier. Mit zwei Unterschieden: Ich habe niemanden gelobt (Thierrys Blog gab es damals noch nicht) und OMG.lu kam später dran. Mittlerweile ist mein Verhältniss zu den meisten aber entspannter.
Wenn du literarische Blogs magst, in meiner Blogroll findest du mit “mind vault” und “sara” zwei weitere luxemburgische Blogs dieser Gattung.
Zum über-links sag ich jetzt mal nichts.
strawdog said,
November 8, 2007 at 8:29 am
Straight to the point! Firwat och net? An ech sinn jo nach gudd ewech komm
Wat ech allerdengs net verstinn, ass firwats de färts ze soen, dass de Letzebuerger bass … ?
Charles Betz said,
November 8, 2007 at 8:46 am
60 Sekunden für die Luxemburger Blogsphere, nicht schlecht! Bin übrigens auch grad über Grommel reingestolpert…
strawdog said,
November 8, 2007 at 11:52 am
Ah jo, nach e Blog, deens de villäicht net kenns, mee deen super Fotoen präsentéiert: http://staater.blogspot.com/
x3nu said,
November 8, 2007 at 8:11 pm
naja ech giff lo omg.lu nik zevill ugreiffen, mier alleguer laachen och mol iwert nivoloos witzer, eegal op een op d schness geet, sech aanescht weideet, oder iergendwelch saudomm witzer. weem et nik gefällt muss jo nik rakucken, ma d gin der jo genuch dei et maan, all blog huet seng client’el, an soulaang et deenen gefällt, ass eegal waat drop ass
btw;: ausser dat ech reegelmeisseg OMG liesen, sin ech an kengster weis affileiert
pa said,
November 8, 2007 at 8:17 pm
“Der kleine Bruder”, nett. Aber die gleichen Themen werden dort nicht behandelt. “pa’s weblog” führe ich eher ‘privat’, egalwaat.lu behandelt nur Themen um Luxemburg (wenn auch wegen Zeitmangel nicht mehr so oft).
Chris said,
November 9, 2007 at 11:55 am
Du bass deen éischten vun deem ech soueppes ze héire krut hunn. Mäin Inhalt pubertär ze nennen, ass schon e staarkt Stéck, vu dass ech am Géigesaz zu dir net primär iwwer Meedercher déi mech net gäer hunn a Saufen schreiwen an ech keng Chrëschtbeemercher zeechnen. DAT ass pubertär.
Fir de Rescht, naja, däi Stil ass o net weltbewegend. Mee bon, du schéngs der et jo einfach ze man a wëlls nëmme “flamen”, wéi de Joël dat ëmmer sou schéin nennt, also lossen ech der däi Spaass. Mee ménger Meenung no sinn dem Fede, dem Thorben, dem pa an dem Benem hier Säiten mat dat Bescht wat mer hunn.
curtainwall said,
November 9, 2007 at 2:45 pm
also, als eischt mol merci fir d’Blummen. Dei, dei ech krut.
Grommel, wat meng Nationalitéit ugeet ass et sou, dat d’Mufflänner hei (obwuel et keng 150km sin) nach emmer net wessen ob Letzebuerg elo zur Belg oder zu Holland gehéiert. An déi, déi letzebuerg kennen, setzen oft Letzebuerg mat Snobs glaich, well d’Saarland well ekonomesch éischter schwächelt.
Merci fir den Staater blog, super Saach.
xenu: jojo *gaaps*, kloer. et muss een seng nach undauernd pubertéit jo awer net öffentlech zur schau stellen.
chris: Wéi wells de en dann nennen? Wann net pubertär. An ech fannen et net pubertär iwwer Meedercher ze schreiwen, mee du schengs do jo rem sou ob “staarken Mann” ze maan, keng Gefiller weisen, Jongen kräischen net.
Wats du erwuessen (oder net pubertär) nenns, ass a wierklechkeet dach soss näischt, wéi sech virun sech selwer ze verstoppen aus Angscht verletzt ze gin. Befrei dech selwer.
Ech well och keen hei attackéiren, mee kuck dech dach em: De Fede an den Thorben (ech hun hier Nimm missen an hieren Blogs nooschloen, kennen jo jhust hier “witzeg” Blognimm) sin dach soss näischt wéi e Koup Poseren. Schaisskäpp. Mee bon, ech hoffen, lo, wou ech mech “versehentlech” an d’Blogosphär katapultéiert hun (ech wosst jo net wat Trackbacks wieren) ob eng pazifesch Cooexistenz. Vläit kennen mir eis jo mol treffen. Hei si vill cool Concerten.
Thierry said,
November 9, 2007 at 3:25 pm
Firdéischt emol: Merci fir d’Luew an de Link!
Dann zur Diskussioun. Ech fannen esou Sätz an dengem Blog wéi “Später werde ich mir wohl wieder einen hinter die Binde kippen.” oder “Außerdem sagte Claudio, ein Mal wöchentlich duschen sei nicht genug. Ich sagte ihm, er sei ein Arschloch.” (igitt!) schwätzen och net dofir, dass du schon aus der Pubertéit bass. Wat mech awer am meeschten un denger “Argumentatioun” irritéiert ass, dass de keng Beispiller gëss. Den Thorben an de Federico sinn einfach “Poseren” an “Schaisskäpp”. Firwat sinn se dann där? Zitéier aus hierem Blog, weis Artiklen wou se “posen”.
De Chris pubertär ze nennen fannen ech och ee staarkt Stéck (an dat soen ech, obwuel de Chris an ech eis eigentlech permanent oneens sinn). Wou sinn dann déi pubertär Saachen tëscht all senge Filmkritiken an CD Kritiken?
Ech fannen et wäitaus méi pubertär an säi Blog ze schreiwen, dass een sech eng an d’Schiebel geheit (wat ech souwisou scho fir pubertär halen).
Ech well dech elo hei net beleidegen. Ech well just weisen, dass du hei Saachen behaapts, ouni dass de konkret Beweiser liwwers. An esou eppes respektéiren ech net.
cerealk said,
November 9, 2007 at 5:05 pm
ech laachen iwer OMG an sin doweinst pubertär, an du bezeechens leit als schäisskapp, an fenns dech dobei nach ferme eloquent …
bon ech beliewen mein uraalen blog rem, deen ech eemol aus langeweil registreiert hun
d muss een jo seng pubertéit ugemossen kennen zur schau stellen
cerealk.wordpress.com … falls et een intresseiert
Sulfura said,
November 15, 2007 at 10:44 am
Oh mei, waat eppes…
Lo wollt ech just eng aal Geschicht erem ausgruewen fir ze kucken wei et an dësser Geschicht weidergaangen ass an do liesen ech nëmmen geflames…
Dass dir gewëssen Blogs net gefaalen ass ok, dass all blog seng Clientele huet ass eppes normales… mee User sou offenkundeg ze beleidegen fannen ech net graad fair an/oder schein. Kritik ass emmer wëllkomm, ob gudd oder schlecht, mee se muss begrënd an objektiv gehaalen gin.
btw. ze verheemlechen dass een lëtzebuerger ass nëmme well e puer Leid mengen di wiere Snobs oder schlëmmer weist o net graad vill Charakterstärkt. Ech gin o stänneg mat der genereller Dommheet vun der portugisescher Dommheet vun der Jugend konfrontéiert (ech reegen mech jo souguer selwer driwer op) mee dofir verheemlechen ech na laang net dass ech een sin. Et soll een zu deem stoe waat een ass, och wann et engem net gefällt…